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Die Psychologie der Mieterhöhung | Ton Steine Steuern

Ich erinnere mich noch genau: Ich bekam eine Mieterhöhung über 4,14 € im Monat. Ein Betrag, der objektiv gesehen kaum ins Gewicht fällt. Trotzdem war ich aufgebracht – richtig aufgebracht. Heute, als Immobilieninvestor, verstehe ich genau, was damals passiert ist: Es ging nicht um das Geld, sondern um etwas viel Tieferes – um Psychologie, um Emotionen, um das Gefühl von Kontrolle und Fairness.

Perspektivwechsel: Vom Mieter zum Vermieter

Als Investor denke ich heute ständig über Mieten nach – über Wertentwicklung, Erträge und Gebäudewerte. Hohe Mieten bedeuten schließlich auch hohe Immobilienwerte, und das spielt eine zentrale Rolle im gesamten System.
Aber wenn ich an meine Zeit als Mieter zurückdenke, merke ich, dass viele Konflikte zwischen Mietern und Vermietern nicht rational, sondern emotional sind. Damals wohnte ich bei der Vonovia. Die Wohnung war dieselbe, alles war unverändert – und doch fühlte sich diese kleine Erhöhung an wie ein Angriff. Warum? Weil ich keinen Bezug zum Vermieter hatte. Es war eine gesichtslose Gesellschaft, keine Beziehung, kein Vertrauen.

Zwei Szenarien – zwei emotionale Welten

In meiner Erfahrung gibt es zwei ganz unterschiedliche Ausgangssituationen, die über den Erfolg einer Mieterhöhung entscheiden:

1. Wenn man neu vermietet

Hier beginnt eine gemeinsame Geschichte. Man trifft sich, spricht über Erwartungen, schafft Vertrauen. Der Mieter weiß, wer der Vermieter ist – und umgekehrt. Wenn dann irgendwann eine Anpassung ansteht, kann man sie auf Augenhöhe besprechen. Es geht weniger ums Prinzip, mehr um Nachvollziehbarkeit.

2. Wenn man das Mietverhältnis „mitkauft“

Ganz anders ist es, wenn man ein Objekt übernimmt, in dem der Mieter schon lange lebt.
Für ihn ändert sich im Alltag nichts – nur der Name auf dem Briefkopf. Er hat das Gefühl, die Wohnung gehört eigentlich ihm, schließlich wohnt er schon seit 20 Jahren dort. Und dann kommt da plötzlich ein neuer Eigentümer – vielleicht noch jünger – und will etwas verändern. Diese emotionale Barriere ist riesig.

Der Schlüssel: Empathie und klare Haltung

Ich glaube, als Vermieter ist es entscheidend, Empathie zu zeigen, ohne sich zu verbiegen.
Wenn ich eine Mieterhöhung bespreche, versuche ich, die Perspektive meines Mieters einzunehmen. Was bedeutet die Veränderung für ihn? Welche Sorgen oder Prinzipien stecken dahinter?
Gleichzeitig mache ich aber auch klar: Ich trage Verantwortung für die Immobilie, habe einen Plan und Ziele – und diese müssen umgesetzt werden. Es geht also um Balance: Verständnis zeigen, aber auch Führung übernehmen.

Ein Tipp aus der Praxis

Ein befreundeter Profi, Tomek Piotrowski, hat mir einen wertvollen Rat gegeben:

„Biete immer Mehrwerte an. Frag: Wie kann ich dir helfen, deine Situation zu verbessern?“

So wird man nicht nur die Kontonummer, an die die Miete überwiesen wird, sondern ein aktiver, lösungsorientierter Partner. Das verändert die Beziehung und macht Mieterhöhungen langfristig erfolgreicher.

Fazit: Mit Demut und Weitsicht

Die Psychologie der Mieterhöhung zeigt, dass es nicht um Zahlen, sondern um Menschen geht. Wer sich in seine Mieter hineinversetzt, auf Augenhöhe kommuniziert und klare, nachvollziehbare Gründe liefert, schafft Vertrauen – und vermeidet Konflikte.
Ich erinnere mich heute bei jeder Anpassung an meine eigene 4,14-€-Erhöhung. Sie hat mir beigebracht, wie wichtig Empathie ist – und dass Respekt und Ehrlichkeit langfristig immer die bessere Rendite bringen.


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Jasper Schouw
Jasper Schouw ist studierter Betriebswirt und Gründer von gutachten-nutzungsdauer.com. Darüber hinaus hält er einen Immobilienbestand, baut und entwickelt Projekte und handelt mit Immobilien und Grundstücken.
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