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Insight: Darum bin ich kein Coach | Podcast | Ton Steine Steuern

Warum ich kein Coach bin – und was mich am Coaching-Konzept wirklich stört

Insight: Ich bekomme fast täglich Nachrichten: Ob ich ein Coaching anbiete, ein Mentoring, eine Begleitung beim Immobilienkauf. Oft kommen diese Anfragen nicht nur von Einzelpersonen, sondern auch von Agenturen, die Coaches dabei helfen wollen, mehr Leads und mehr Umsatz zu machen. Und jedes Mal habe ich das Gefühl, in die falsche Schublade gesteckt zu werden.

Nicht, weil Coaching per se schlecht ist. Im Gegenteil: Es gibt viele richtig gute Coaches da draußen. Menschen, die anderen helfen, Struktur zu finden, Klarheit zu gewinnen und ins Handeln zu kommen. Für mich persönlich passt dieses Modell aber nicht – und zwar aus mehreren, sehr grundlegenden Gründen.

Coaching ausprobiert – und bewusst verworfen

Ich hege beim Thema Coaching nicht einfach aus theoretischen Gründen Kritik. Ich habe es getestet. Mit einer kleinen Beta-Gruppe aus zehn Personen, zusammengestellt über Instagram. Menschen, die noch keine Immobilie besitzen und sich einen Einstieg wünschen. Wir haben uns regelmäßig in Live-Calls ausgetauscht, Fragen besprochen, Erfahrungen geteilt.

Der Austausch war wertvoll. Er ist es bis heute. Wir treffen uns weiterhin, obwohl das ursprüngliche Programm längst beendet ist. Genau dieser informelle, freiwillige Austausch macht mir Spaß. Was mir allerdings sehr schnell klar wurde: Sobald Termine festgelegt sind, bin ich nicht mehr frei. Und Freiheit ist einer der Hauptgründe, warum ich so arbeite und lebe, wie ich es tue.

Coaching bedeutet Dienstleistung. Feste Zeiten, wiederkehrende Erklärungen, oft dieselben Fragen immer wieder. Für mich fühlt sich das wie ein Rückschritt an. Warum sollte ich mir einen vollen Kalender bauen, wenn ich Inhalte auch einmal klar formulieren kann – zum Beispiel in einem Podcast, einem Video oder einem Artikel – und damit gleichzeitig viele Menschen erreiche?

Mein größtes Problem: der begrenzte Einfluss auf den Erfolg

Was mich am Coaching-Gedanken am meisten beschäftigt, ist mein tatsächlicher Einfluss auf das Ergebnis. Der Erfolg eines Coachings wird häufig daran gemessen, ob der Teilnehmer sein Ziel erreicht. Im Immobilienbereich heißt das meist: eine Immobilie kaufen.

Doch genau hier liegt das Problem. Ich kann niemandem die Immobilie besichtigen, die Gespräche führen, die Entscheidung treffen oder beim Notar unterschreiben. All das muss derjenige selbst tun. Coaching kann begleiten, erklären, motivieren – aber nicht handeln. Und damit liegt der Erfolg am Ende fast vollständig beim Einzelnen.

Das fühlt sich für mich unangenehm an. Nicht aus Kontrollbedürfnis, sondern aus Verantwortungsgefühl. Ich möchte hinter dem stehen, was ich mache. Ich möchte unmittelbare Wirkung sehen: Ich tue etwas – es hat ein Ergebnis. Oder eben nicht, dann passe ich es an. Diese Klarheit fehlt mir im Coaching.

Wissen ist heute kein knappes Gut mehr

Ein weiterer Punkt: Wir leben nicht mehr in einer Zeit, in der Wissen exklusiv ist. Informationen sind überall verfügbar. Kostenfrei, strukturiert, detailliert. Gerade im Immobilienbereich gibt es unzählige Quellen, Erfahrungsberichte, Rechenbeispiele und Strategien.

Der Mehrwert eines Coachings liegt daher weniger im Wissen selbst, sondern im Kuratieren, Strukturieren und Begleiten. Das kann hilfreich sein – keine Frage. Aber es rechtfertigt aus meiner Sicht nicht immer die hohen Preise, die im Markt aufgerufen werden.

Und genau hier wird es kritisch.

Coaching kostet Geld – Geld, das beim Einstieg fehlt

Immobilien sind kapitalintensiv. Wer einsteigt, braucht Eigenkapital. Rücklagen. Puffer für schlechte Zeiten. Wenn jemand vor dem ersten Kauf 10.000 Euro oder mehr für ein Coaching ausgibt, fehlt dieses Geld an anderer Stelle. Vielleicht beim Eigenkapital. Vielleicht als Sicherheit, falls der Job wegfällt oder eine Reparatur ansteht.

Das Paradoxe: Das Coaching soll helfen, schneller und besser in Immobilien zu investieren – schwächt aber gleichzeitig die finanzielle Ausgangslage. Im Zweifel bedeutet das: eine Immobilie weniger kaufen oder risikoreicher starten.

Ich halte das für einen zentralen Schwachpunkt des Modells.

Ins Tun kommen schlägt den perfekten Plan

Ich glaube nicht an den perfekten Deal. Und ich glaube auch nicht an den perfekten Plan. In meinen eigenen Geschäften plane ich selten weiter als drei Monate im Voraus. Alles andere verhindert aus meiner Sicht Anpassung, Lernen und Weiterentwicklung.

Der erste Immobilienkauf muss nicht brillant sein. Er muss gemacht werden. Erfahrung entsteht nicht durch Rechnen bis zur letzten Nachkommastelle, sondern durch Handeln. Zinsen, Renditen, Szenarien – all das ist wichtig. Aber nicht entscheidend bis auf den letzten Prozentpunkt.

Entscheidend ist, zu wissen, warum man etwas tut – und dann Verantwortung für diese Entscheidung zu übernehmen. Diese Verantwortung kann einem niemand abnehmen. Kein Immobilien-Coach, kein Berater, kein Vertrieb.

Warum ich Kapitalanlagen oft für den faireren Deal halte

Wenn ich 10.000 Euro ausgebe und danach „nur“ Wissen habe, ist das Risiko einseitig. Wenn ich 10.000 Euro in einer Immobilie über eine Vertriebsprovision bezahle, kann man über die Höhe und Sinnhaftigkeit streiten – aber am Ende habe ich ein Objekt. Eine Wohnung. Mieteinnahmen. Substanz.

Das ist für mich die bessere Downside-Protection. Auch wenn im Kapitalanlage-Vertrieb viel schief läuft und kritisch hinterfragt werden muss – was ich auch tun werde – ist der Deal am Ende greifbarer als bei einem Coaching.

Fazit: Coaching ist nicht mein Weg

Ich bin kein Coach, weil mir feste Termine, begrenzter Einfluss und hohe Erwartungshaltungen nicht liegen. Weil ich nicht daran glaube, dass Wissen heute teuer verkauft werden muss. Und weil ich überzeugt bin, dass Handeln, Verantwortung und echte Erfahrungen wichtiger sind als perfekte Strategien.

Das ist meine persönliche Sicht. Sie muss nicht für jeden gelten. Aber genau darüber lohnt es sich zu sprechen.

Und das werde ich auch weiterhin tun.

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Jasper Schouw
Jasper Schouw ist studierter Betriebswirt und Gründer von gutachten-nutzungsdauer.com. Darüber hinaus hält er einen Immobilienbestand, baut und entwickelt Projekte und handelt mit Immobilien und Grundstücken.
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