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Keine Immobilien mehr kaufen? Warum die Marktrisiken steigen – und wie Investoren selektiv reagieren müssen

Auf einen Blick (TL;DR) In der Immobilien-Community dominiert oft ein Zweckoptimismus, der reale Marktrisiken ausblendet. Doch veränderte makroökonomische Parameter verlangen einen nüchternen Blick auf das „innere Oppositionsparlament“ eines jeden Investors. Bedenkliche Mietrechtsreformen (Deckelung der Indexmiete), verschärfte Energieauflagen durch das Gebäudeenergiegesetz (GEG) bei schwindenden Fördergeldern und die striktere Risikobewertung der Banken erschweren das Geschäft. Hinzu kommen demografische Umbrüche im ländlichen Raum sowie eine gewaltige Anschlussfinanzierungs-Welle ab 2026–2030 für Kredite aus der Nullzinsphase. Wer heute noch kauft, darf dies keinesfalls reflexartig tun, sondern muss extrem konservativ verhandeln, auf erstklassige Lagen fokussieren und langfristige Finanzierungsstrukturen sichern.

Fallendes Messer oder historische Kaufchance? Das Dilemma am aktuellen Markt

Glaubt man manchen Social-Media-Kanälen, ist die aktuelle Marktphase der perfekte Zeitpunkt, um hemmungslos einzukaufen: Die Käufer sind zurückhaltend, die Faktoren sinken, die Konkurrenz zieht sich zurück. Doch die Börsenweisheit von Warren Buffett fordert zur Vorsicht auf: „Greife nie in ein fallendes Messer.“

Wer aktuell Immobilien ankauft, muss sich der drängenden Frage stellen: Sichert man sich gerade ein unterbewertetes Schnäppchen, dessen Rendite sich nach einer Markterholung vervielfacht – oder kauft man in einen übergeordneten, strukturellen Abwärtstrend hinein?

Niemand besitzt eine Glaskugel für die Zukunft. Fakt ist jedoch: Das Risiko am Markt ist signifikant gestiegen. Und wo das Risiko steigt, muss auch die geforderte Rendite und der Sicherheitsabschlag im Ankauf entsprechend höher ausfallen.

Jasper Schouw, Immobilieninvestor: „Ganz häufig sage ich aktuell zu mir selbst: Du darfst auf gar keinen Fall weiter Immobilien kaufen. Es bringt nichts, sich die Dinge nur schönzureden. Man muss auch der Opposition im eigenen Kopf eine Stimme geben. Wer heute im Ankauf nicht extrem konservativ kalkuliert und brutal nachverhandelt, setzt sich unkalkulierbaren Risiken aus.“

Der Regulierungs-Hammer: Mietrecht, GEG und die Verunsicherung der Banken

Einer der stärksten Gegenwinde für Bestandshalter und Investoren kommt aus der Politik. Die regulatorischen Daumenschrauben werden in einem Tempo angezogen, das die Ertragskraft von Immobilien schrumpfen lässt:

1. Eingriffe in das Mietrecht & Deckelung der Indexmiete

Indexmieten waren ursprünglich das verlässliche Instrument, um den Ertrag einer Immobilie an die Inflation zu koppeln und den realen Substanzwert zu sichern. Dass der Gesetzgeber nun versucht, Indexmieten künstlich zu deckeln, entzieht Vermietern die Möglichkeit, sich gegen reale Kostensteigerungen bei Instandhaltung und Sanierung abzusichern. Gleichzeitig erschweren verlängerte Fristen und Schutzregeln den Umgang mit säumigen Mietparteien, was das Ausfallrisiko einseitig auf den Eigentümer verlagert.

2. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) & schwindende Förderungen

Die Anforderungen an die energetische Beschaffenheit von Wohngebäuden erreichen in Deutschland ein Niveau, das im internationalen Vergleich (etwa in den USA oder skandinavischen Nachbarländern) oft seinesgleichen sucht. Das Dilemma für Investoren:

  • Die Anforderungen an die Effizienzklassen steigen kontinuierlich.
  • Die Ertragsmöglichkeiten werden gesetzlich beschnitten (z. B. durch Begrenzung von Modernisierungsumlagen).
  • Die staatlichen Förderungen (wie KfW-Programme für Wärmepumpen oder Effizienzhäuser) werden aufgrund knapper Kassen regelmäßig gestoppt oder zusammengestrichen.

3. Verschärfte Kriterien bei Kreditinstituten

Diese Gemengelage bleibt den Banken nicht verborgen. Selbst Institute, die ihr Kerngeschäft in der Immobilienfinanzierung haben, betrachten die Assetklasse deutlich kritischer. Finanzierungen für Objekte mit schlechten Energieausweis-Effizienzklassen (wie F, G oder H) werden zunehmend abgelehnt oder mit massiven Zinsaufschlägen belegt. Der Kapitaldienst muss auch unter strengen Stressszenarien darstellbar bleiben.

Demografie & die drohende Anschlussfinanzierungs-Welle (2026–2030)

Über die aktuellen Gesetzgebungen hinaus bauen sich zwei langfristige, strukturelle Risikofaktoren auf:

Die Demografie-Falle im ländlichen Raum

Mit dem Renteneintritt der geburtenstarken Boomer-Jahrgänge wird sich die Nutzung von Wohnfläche verändern. Viele Einfamilienhäuser in peripheren Lagen werden in den kommenden Jahren auf den Markt kommen. Durch den Rückgang der medizinischen und infrastrukturellen Versorgung im ländlichen Raum droht in C- und D-Lagen ein massiver Preisverfall. Zwar erhöht dies den Nachfragedruck auf städtische Ballungsräume, doch auch dort schränken soziale Erhaltungssatzungen (Milieuschutz) – wie in Berlin oder Hamburg – die Entwicklungsmöglichkeiten (z. B. das Aufteilen von Mehrfamilienhäusern in Eigentumswohnungen) drastisch ein.

Die Refinanzierungswelle aus der Nullzinsphase

In den Jahren 2016 bis 2020 wurden unzählige Immobilien mit 10-jähriger Zinsbindung zu historisch niedrigen Zinsen (oft unter 1,5 %) finanziert. Ab 2026 bis 2030 laufen diese Zinsbindungen flächendeckend aus.

Sollte der Marktzins auf dem aktuellen Niveau verharren oder weiter steigen, treffen höhere Prolongationsraten auf Eigentümer, die möglicherweise zu knapp kalkuliert oder zu wenig getilgt haben. Wer dann gezwungen ist, sein Objekt überstürzt zu veräußern, trifft auf einen Markt mit reduziertem Käuferpotenzial – was den Preisdruck weiter verstärken könnte.

Schema: Risikomatrix & strategische Schutzmaßnahmen für Investoren

⚠️ Reale Marktrisiken

Regulatorik: Mietrechtsverschärfungen & GEG-Auflagen
Banken-Restriktionen: Ablehnung schlechter Energieklassen
Anschlussfinanzierung: Höhere Raten ab 2026–2030
Demografie: Preisverfall in strukturschwachen C-/D-Lagen
Fazit: Blindes Kaufen führt in die Liquiditätsfalle.

🛡️ Strategische Schutzmaßnahmen

Strikter Lagenfokus: Nur A-/B-Lagen mit langfristiger Nachfrage
Konservativer Ankauf: Hohe Sicherheitsabschläge einverhandeln
Flexibles Zinsmanagement: Lange Zinsbindungen & Tilgungspuffer
Steuer-Hebel nutzen: AfA durch Restnutzungsdauer maximieren
Ziel: Marge aus dem Risikopuffer generieren.

Fazit: Warum Kaufen weiterhin Sinn ergibt – aber nur mit klaren Filtern

Trotz aller „Markt-Dämonen“ bleibt die Immobilie eine der stärksten Assetklassen für den langfristigen Vermögensaufbau. Der Schlüssel liegt jedoch im Paradigmenwechsel: Der pauschale Marktgewinn ist vorbei. Wer heute erfolgreich einkaufen will, muss selektiver und professioneller vorgehen denn je.

Die 3 goldenen Ankaufsregeln für die aktuelle Marktphase:

  1. Fokus auf zukunftssichere Standorte: Investiere ausschließlich in Lagen, bei denen du auch in 10 bis 15 Jahren eine unerschütterliche Mietnachfrage garantieren kannst.
  2. Brutale Nachverhandlung beim Kaufpreis: Da das Risiko beim Eigentümer liegt, muss der Einpreisungseffekt im Ankaufsfaktor sichtbar sein. Wer nicht mit Sicherheitsabschlag kauft, verliert.
  3. Absicherung der Finanzierungsstruktur: Wähle Tilgungshöhen und Zinsbindungen so, dass selbst ungeplante Zinssprünge bei der Prolongation nicht zum Notverkauf zwingen.

Mediathek & Podcast-Deep-Dive mit Jasper Schouw

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Jasper Schouw
Jasper Schouw ist studierter Betriebswirt und Gründer von gutachten-nutzungsdauer.com. Darüber hinaus hält er einen Immobilienbestand, baut und entwickelt Projekte und handelt mit Immobilien und Grundstücken.
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