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Lombardkredit als Depothebel: Chancen, Risiken und wer das wirklich nutzen kann

Der Lombardkredit ist ein flexibler Kredit, bei dem ein Wertpapierdepot als Sicherheit dient. Typische Beleihungsquoten liegen bei 50–60% des Depotwerts. Das Hauptrisiko ist der Margin Call: Fallen die Kurse, muss der Kreditnehmer entweder Sicherheiten nachschießen oder den Kredit zurückführen – oft unter Zeitdruck.

Du hast ein Depot mit echtem Vermögen drin und fragst dich, warum das Geld einfach so liegt, ohne zu arbeiten. Der Lombardkredit ist die Antwort, die Privatbanken geben – aber nicht jedem. Hier bekommst du das ungefilterte Bild: wie das funktioniert, was es kostet, und warum ein falscher Move dich in ernste Schwierigkeiten bringt.

Was ein Lombardkredit überhaupt ist – und warum er nichts mit dem normalen Bankkredit zu tun hat

Ein Lombardkredit ist ein Kredit, der nicht durch eine Immobilie, sondern durch bewegliche Vermögenswerte besichert ist – typischerweise ein Wertpapierdepot. Der Name kommt aus der Lombardei: Mittelalterliche Geldverleiher haben dort gegen Sicherheiten Kredit gegeben, um die damals üblichen Wucherzinsen zu umgehen.

Der entscheidende Unterschied zur Hypothek: keine Grundbucheintragung, keine monatelange Prüfung, kein Bereitstellungszins. Du nimmst den Kredit nur dann, wenn du ihn brauchst. Wenn nicht, kostet er nichts.

Das klingt nach dem perfekten Instrument. Ist es auch – für die Richtigen.

Wie die Beleihung konkret funktioniert und was dein Depot wirklich wert ist

Die Bank gibt dir nicht den vollen Depotwert als Kredit. Sie zieht einen Sicherheitspuffer ab, weil Aktienkurse schwanken. Bei vielen Banken sind das 50% Beleihungsquote. Bei uns sind es 60%.

Das bedeutet: Bei 1.000.000 € Depotwert bekommst du 600.000 € Kredit. Fallen die Kurse auf 500.000 €, schrumpft deine verfügbare Kreditlinie auf 300.000 €. Das ist keine Theorie – das ist die tägliche Realität einer variablen Finanzierung.

> Jasper Schouw, Immobilieninvestor: „Wenn du 1 Million Euro Depot hast, wie viel Kredit geben sie dir dafür? Bei uns sind 60% – von 1 Million kriegen wir 600.000 Euro Kreditsumme. Aber wenn die Kurse nach unten gehen und das nur noch 500.000 sind, dann sind wir bei 300.000 Euro Kreditsumme.

Das Zinsrisiko, das die meisten unterschätzen

Der Lombardkredit ist variabel verzinst. Kein fester Satz für 10 Jahre wie bei der klassischen Baufinanzierung. Die Bank nimmt den Interbankenzins als Basis und schlägt eine Marge drauf – bei uns 1 Prozentpunkt.

Steht der kurzfristige Referenzzins bei 2%, zahlst du 3%. Steigt er auf 3%, zahlst du 4% – das ist eine Erhöhung um 33%, nicht um 1 Prozentpunkt. Und dieser Anstieg schlägt täglich durch, ohne Verzögerung.

Aus Jasper Schouws Erfahrung mit über 70 Wohneinheiten: Wer bereits eine Zinsänderungswelle bei Immobilienfinanzierungen mitgemacht hat, kennt das Gefühl. Beim Lombardkredit kommt es schneller und härter, weil die Anpassung sofort wirkt – nicht mit monatelanger Verzögerung wie bei vielen Darlehensverträgen.

Margin Call: Das Risiko, das den Deal killt

Das ist der Punkt, an dem Investoren aufwachen. Wenn der Depotwert fällt, sinkt die Sicherheit, die du der Bank gestellt hast. Die Bank reagiert: Entweder du schießt frisches Kapital nach, stellst zusätzliche Sicherheiten, oder der Kredit wird fällig gestellt.

Das ist kein theoretisches Szenario. Im Corona-Crash 2020 sind Depots in wenigen Wochen um 25–35% eingebrochen. Wer da eine hohe Lombardlinie hatte und keinen Cash-Puffer, hat gezittert.

Hinzu kommt: Ein Zwangsverkauf ist steuerlich relevant. Der BFH hat das am 01.07.2014 (VIII R 53/12) klargestellt – Zwangsverkäufe aus Margin Calls lösen steuerpflichtige Veräußerungsvorgänge aus. Gewinne werden besteuert, Verluste können verrechnet werden. Das muss in die Risikorechnung rein.

Für wen das wirklich funktioniert – und für wen nicht

Klare Ansage: Du brauchst Vermögen. Nicht 50.000 € in einem ETF-Depot bei der Direktbank. Privatbanken wie die Bethmann Bank (Tochter der ABN Amro) arbeiten mit vermögenden Privatkunden – das Segment, das dieses Instrument überhaupt im Angebot hat.

Jasper selbst hat keinen eigenen riesigen Depotbestand. Er hat einen Co-Investor, der das Depot stellt. Das zeigt: Es gibt zwei Wege.

Jasper Schouw, Immobilieninvestor: „Wenn du kein Vermögen hast, kannst du so machen wie ich: Du kannst einen suchen, der Vermögen hat. So 2 bis 3 Millionen Euro, die übrig sind und die er dann auch noch ins Feuer stellen möchte.“

Die Partnerstruktur ist der unterschätzte Hebel: Eine Person bringt das Depot (und damit die Kreditlinie), die andere bringt den Deal und die Expertise. Beide profitieren.

Das Wichtigste in Zahlen

– **60%**: Beleihungsquote bei der Bethmann Bank – d.h. 1 Mio. € Depot ergibt max. 600.000 € Kredit

– **+1 Prozentpunkt**: Marge der Bank über dem Referenzzins – bei 3% Marktzins = 4% Gesamtzins

– **2–3 Mio. €**: Orientierungsgröße an Depotvermögen, ab der eine signifikante Lombard-Kreditlinie realistisch verhandelt werden kann

– **§ 9 Abs. 1 S. 3 Nr. 1 EStG**: Rechtsgrundlage für den Werbungskostenabzug der Schuldzinsen – gilt nur bei nachgewiesener Verwendung zur Einkünfteerzielung

Mein Fazit

Mein Fazit: Der Lombardkredit ist kein Trick – er ist ein Werkzeug für Leute, die bereits Vermögen haben und es klug einsetzen wollen. Das Zinsänderungsrisiko ist real, der Margin Call ist real, und beides kommt schneller als bei einer Festzinsfinanzierung. Wer das nüchtern einkalkuliert, einen Cash-Puffer hält und weiß, was er mit dem Geld macht, kann damit echte Vorteile erzielen. Wer das romantisiert, fliegt raus.

Häufige Fragen

Sind die Zinsen für einen Lombardkredit steuerlich absetzbar?

Ja – aber nur wenn das Geld nachweislich zur Einkünfteerzielung verwendet wird, zum Beispiel für den Kauf einer Vermietungsimmobilie (§ 9 Abs. 1 S. 3 Nr. 1 EStG, BFH 28.03.2007, IX R 16/05). Die Mittelverwendung muss sauber dokumentiert sein. Private Nutzung schließt den Abzug aus.

Was passiert steuerlich bei einem Zwangsverkauf nach einem Margin Call?

Ein Zwangsverkauf ist ein steuerpflichtiger Veräußerungsvorgang (BFH, 01.07.2014, VIII R 53/12). Realisierte Gewinne unterliegen der Abgeltungsteuer von 25%. Verluste können mit anderen Kapitalerträgen verrechnet werden. Das muss in die Risikobetrachtung vor Aufnahme des Kredits einfließen.

Ab welchem Depotwert macht ein Lombardkredit Sinn?

Aus meiner Erfahrung: Für eine bedeutende Kreditlinie braucht der Depotinhaber 2–3 Millionen Euro in liquiden Vermögenswerten, die er nicht anderweitig benötigt. Der Einstieg ins Private Banking beginnt je nach Bank ab ca. 500.000 €, aber für strukturierte Co-Investment-Deals ist diese Größenordnung realistisch.

Kann ich einen Lombardkredit nutzen, wenn ich selbst kein großes Depot habe?

Ja – über eine Partnerstruktur. Ein Co-Investor stellt das Depot als Sicherheit, der andere bringt den Deal und die Abwicklung. Das ist kein Sonderfall, sondern eine gängige Struktur im professionellen Investmentbereich.

Jasper Schouw
Jasper Schouw ist studierter Betriebswirt und Gründer von gutachten-nutzungsdauer.com. Darüber hinaus hält er einen Immobilienbestand, baut und entwickelt Projekte und handelt mit Immobilien und Grundstücken.
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